#5 Stille Schreie
Shownotes
Folge 5: Stille Schreie
In dieser Folge geht es nicht um einen einzelnen Vorfall, sondern um einen Zustand. Um Tiere, die abhängig sind. Und um Menschen, die hätten handeln müssen und es nicht taten.
Eine Wohnung im Berner Jura. Kein Tatort im klassischen Sinn. Keine Gewaltspuren. Und doch: massives Tierleid. Was Behörden dort vorfinden, wirft grundlegende Fragen auf. Nach dem Warum - und dem Wie lange.
Dami fragt nach: Wann wird Ignoranz zur Straftat? Reicht Unterlassen für Tierquälerei aus? Und warum spiegelt sich massives Leid so selten im Strafmass wider?
Themen dieser Folge: • Unsichtbares Tierleid bei Kleintieren und Reptilien • Tierquälerei durch Unterlassen • Garantenstellung von Tierhaltenden • Misshandlung vs. Vernachlässigung • Strafzumessung und Behördenpraxis
Ein Fall über Verantwortung, über Gleichgültigkeit und darüber, wie leise Tierleid sein kann.
TierCrime mit VanDam – wahre Fälle von Tierquälerei aus der Schweiz. Für die Tiere, die keine Stimme haben.🐾
Transkript anzeigen
00:00:16: Bernereura.
00:00:17: Eine Wohnung.
00:00:19: Keine Tatort im klassischen Sinn.
00:00:22: Keine Blutspuren.
00:00:24: Keine Schrei.
00:00:25: Und doch Leid über Wochen, weil ich möchte.
00:00:41: In dieser Wohnung leben Tiere.
00:00:43: Völte Tiere.
00:00:45: Zvölte Tiere.
00:00:47: Drei Katzen.
00:00:49: Zwei Hunde.
00:00:50: Elfraten.
00:00:52: Zwei Boas.
00:00:54: Eine junge Ringelnatte.
00:00:56: Drei.
00:00:57: Leopartagekos, zwei Portugamen.
00:01:03: Was sie verbindet, ist nicht ihr Lebensraum, sondern ihr Zustand.
00:01:10: Kot, Urin, Parasitenbefall, Krankheiten, Vernachlässigung.
00:01:17: Eine Wohnung, die stinkt, Körper, die nicht versorgt werden.
00:01:26: Tiere, die abhängig sind, von Menschen.
00:01:31: und nicht handeln.
00:01:33: Und Frage?
00:01:36: Wenn wird der Reguismus zur Tierquälerei?
00:01:47: Das klären wir heute in einer neuen Folge von Tiercrime mit Van Damme.
00:01:51: Ein True Crime Podcast über echte Tierschutzfälle.
00:01:54: Ich bin Dami und bei mir ist Wani, Juristin bei der Stiftung für das Tier im Recht.
00:01:58: Hallo miteinander.
00:02:01: Wo die Behörden die Wohnung betreten, schlägt ihnen einen Grochen gegen, wo Ammoniak, Fakali, Verwesung... Katzen-Touletten sind überfüllt.
00:02:12: Randfall mit Kot und Urin.
00:02:15: Ein Katz.
00:02:16: Er ist übersagt mit Pflö.
00:02:17: Das Fell, grossflächig kahl, tut, greizt und entzündet.
00:02:24: Die Hunde zeigen Anzeichen für Vernachlässigung.
00:02:36: Keine saubere Umgebung.
00:02:38: Keine ausreichende Pflege.
00:02:41: In einem Käfe auch verraten.
00:02:44: Keine Ralfutter.
00:02:46: Keine Nagemöglichkeiten.
00:02:48: Der Boden verklebt von Kot und Urin.
00:02:52: Eine von ihnen hat eine offene, nassende, heiterige Wunde.
00:02:57: Sie wird gerade eingeschlafen.
00:02:58: Die Herarien sind verdreckt.
00:03:03: Keins auffallig, keine ausreichende Wärme.
00:03:10: Schlangen, Geckos, Portugamen.
00:03:14: Alle Befallen von Milben.
00:03:16: Geschwächt und gestresst.
00:03:19: Alle Tiere sind ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt, heisst später im Strafbefeu.
00:03:26: Nicht durch Schläge, nicht durch Tat im Affekt, sondern durch etwas viel alltäglicheres Unterlassen.
00:03:40: Wani, das ist kein einzelnes Tier.
00:03:43: Das ist ein ganzes System von Leid.
00:03:46: Was sagt die Tierschutzrechte ganz grundsätzlich zu so einer Situation?
00:03:51: Das Schweizer Tierschutzgesetz verpflichtet die ausdrücklichen Tierhalten dazu, für das Wohlergien von ihren Tieren zu sorgen.
00:03:58: Wer Tierwetthalten übernimmt eine sogenannte Garantestellung.
00:04:03: Das heisst, man ist rechtlich für verantwortlich aktiv, für das Wohlergien von seinen Tieren zu sorgen und Schaden vom Tier abzuwenden.
00:04:11: Also übersetzt heisst das, nicht nur aktiv das Quellen ist strafbar, sondern auch es nicht handeln, wenn es Tier leidet.
00:04:20: Genau.
00:04:20: Das erste Mal leben Tiere in Gefangenschaft in unseren Obhuten.
00:04:25: Sie sind völlig auf die Versorgung durch uns, aber respektiv durch ihre Halter angewiesen.
00:04:31: Sie brauchen Futter, Wasserlicht, Bewegung, Sozialkontakt, Beschäftigung und vieles mehr.
00:04:37: Wenn ein Tier krank ist, Schmerzen hat oder ihre Bedürfnisse nicht angemessen erfüllt sind, dann muss der Halter eingreifen.
00:04:46: Macht er das nicht, dann kann es misshandeln.
00:04:50: durch Unterlassen.
00:04:52: Und genau hier wird es spannend.
00:04:54: Die Staatsanwaltschaft qualifiziert das Ganze als Vernachlässigung.
00:04:59: Hat das aber nicht als Misshandlung beurteilt werden
00:05:02: müssen?
00:05:03: Dazu gibt es in der Juristenwelt unterschiedliche Auffassungen.
00:05:06: Das Bundesgericht geht in setzenden Fällen einer Vernachlässigung aus.
00:05:11: Wir bei Tieren im Recht nehmen wir die Differenzierung vor.
00:05:15: Wir sagen, eine Vernachlässigung ist es, wenn eine Gefahr fürs Tier geschaffen wird.
00:05:21: Also wenn die Gefahr besteht, dass die Tiere in ihrem Wohl ergeben, erheblich beeinträchtigt werden.
00:05:27: Das ist etwa vergleichbar, wie wenn man eine Sicherheitslinie im Strassenverkehr überfährt.
00:05:32: Wenn man die überfährt, dann macht man sich wegen einer Vergene schuldig.
00:05:36: Und zwar nur, weil man eine gefährliche Situation verursacht hat und nicht, weil etwas passiert ist.
00:05:42: Wenn die Tiere aber tatsächlich leidigt, also Schmerzen, Angst oder andere Belastungen erfahrt, dann redet man eben nicht mehr nur von einer eine gefährliche Situation oder eine Vernachlässigung, sondern von einer Misshandlung.
00:05:57: Aber niemand aktiv zuschlägt.
00:05:59: Ja, Misshandlung setzt keine aktive Gewalt voraus.
00:06:03: Das Unterlassen einer notwendigen Handlung, also das Unterlassen einer notwendigen Handlung, unterlassen den juristischen Begriff.
00:06:11: Zum Beispiel von einer tierärztlichen Behandlung kann genau so schwer wiegen.
00:06:16: Für viele klingt das vielleicht nach Juristinnen Feinmechanik.
00:06:20: Aber ganz konkret, warum ist die Unterscheidung so wichtig?
00:06:24: Die Vernachlässigung gilt ebenso wie die Misshandlung von einem Tier als Tierquälerei.
00:06:29: Beides sind vergehen mit dem gleichen Strafrahmen.
00:06:33: Von daher war die Unterscheidung nicht so wichtig.
00:06:35: Allerdings wird es problematisch, wenn Gericht eine Vernachlässigung bzw.
00:06:40: es vergehen, erst dann anerkennend, wenn die Tiere bereits zu Schaden kommen sind.
00:06:45: und nicht eben schon dann, wenn das Verhalten vom Tierhalter zeigt, dass das ohne Weiteres kann passieren.
00:06:52: Zurück zum Beispiel mit der Sicherheitslinie.
00:06:54: Das Überfahren der Sicherheitslinie gilt in jedem Fall als vergehen mit entsprechend höheren Strophanruhungen, eben schon bevor etwas passiert ist.
00:07:05: Und bei den Tieren muss nach Ansicht der Gerichte eigentlich immer schon einen Schaden eintreten, bevor man überhaupt von einem Vergehen ausgeht.
00:07:12: Und nach unserer Meinung ist das rechtlich, wie auch moralisch, einfach falsch.
00:07:17: Und in diesem Fall.
00:07:18: Hier hat der Tierhalter zuerst einmal seine grundlegendsten Tierhalterpflichten massiv verletzt.
00:07:24: Also er hat die Tiere nicht mit dem versorgt, was sie dringend brauchen.
00:07:29: Er hat ihre Umgebung nicht supergehalten, hat ihnen ein lebenswichtiges Futter, Licht und Wege.
00:07:35: hat ganz insgesamt kein grosses Interesse an seinen Tieren gezeigt, sodass es zu dieser Verwarlosung kam.
00:07:42: Hier wurde eben nicht nur die Gefahr von einer Waller-Gehrensbeiträchtigung geschaffen.
00:07:47: Hier hat sich die Ignoranz des Tierhalters bereits schweren gesundheitlichen Auswirkungen manifestiert.
00:07:55: Aber nicht einmal dann hat der Tierhalter reagiert.
00:07:58: Er hat die krank gewordenen Tiere weder behandelt, noch in irgendeiner Weise dafür gesorgt, dass es ihnen besser gehen
00:08:06: würde.
00:08:06: Das heisst, wir sehen das Leid.
00:08:09: und handelt trotzdem nicht.
00:08:11: Ja,
00:08:11: und genau darum ist vorliegend zweifellos der Tatbestand der Mishandlung durch Unterlassen erfüllt.
00:08:19: Zumindest ist die Staatsanwaltschaft vorliegend, aber von einer Vernachlässigung ausgegangen, also auch von einem Vergehen.
00:08:27: Wenigstens das.
00:08:28: Aber
00:08:29: es gibt trotzdem nur eine bedingte Geldstrafe.
00:08:31: Vierzentagessetz
00:08:33: an fünfzig Franken, also zwei tausend Franken, die nicht bezahlt werden müssen.
00:08:38: Lediglich ein Bus von dreihundert Franken.
00:08:41: Ist doch einfach lachhaft.
00:08:42: zu etwas oder nicht?
00:08:43: Absolut,
00:08:44: das steht in keinem Verhältnis zu den Anzahl der betroffenen Tiere, zu der Tour und zu der Intensität des Leiden.
00:08:51: Im Strafbefällen werden zwölf Tierschutzrechtliche Bestimmungen aufgezählt, die dagegen verstoßen wurden.
00:08:59: Und das in Bezug auf viele.
00:09:05: Das bedeutet mehrfach Begegung.
00:09:08: Was Strophe erhöht, müsste berücksichtigt werden.
00:09:12: Bezogen auf den Licht gegenüber Menschen, wird das
00:09:16: z.B.,
00:09:17: wenn man das Extrembeispiel nimmt, einen Amoklauf mit vielen Opfer gegenüber einem Mord an einem einzelnen Opfer, wird das natürlich strenger bestraft, logischerweise.
00:09:29: Zusätzlich ist im vorliegenden Fall, die lange Zeitdauer zu berücksichtigen, weil gesundheitliche Auswirkungen in diesem Ausmaß zeigen sich erst nach einer bestimmten Zeit.
00:09:38: Und in dieser Zeit haben die Tiere schon lange gelitten.
00:09:53: Besonders irritierend, den Tater handelt nicht alleine.
00:09:57: Es gab einen weiteren Beteiligten.
00:10:00: Richtig und besonders schlimm?
00:10:03: Mit Täter ist sogar Einschlägung schon vorbestraft und ein Jahr zuvor zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt wurde.
00:10:12: Und obwohl er sich während der Probezeit nicht bewährt hat, hat Staatsanwaltschaft auf einem Wiederruf von der ersten bedingt ausgesprochenen Geldstrafe verzichtet.
00:10:22: Ich verstehe es nicht.
00:10:24: Immerhin ist der Täter aber zu einer unbedingten Geldstrafe für diese Tate verurteilt worden, allerdings auch wieder nur in den Höhen.
00:10:32: Die Höhe von forty-fünf Dagen-Sätzen an den Ries gefranken.
00:10:35: Das sind tausenddreihundert Franken.
00:10:37: Das Verschulden vom Täter ist mit nur forty-fünf Dagen-Sätzen bei möglichen hundertdachzig sehr tief angesetzt.
00:10:45: Völlig unangemessen.
00:10:46: Und dabei reden wir hier nicht von einem einmaligen Vorfall, sondern von einem Zustand.
00:10:51: Wenn man das zusammenfasset, fülle die Tiere verschiedene Arten unterschiedliche Bedürfnisse und alle werden gleichzeitig vernachlässigt oder mishandelt.
00:11:00: Warum spiegelt sich das nicht stärker im Strophenmass?
00:11:03: Weil Tierquälerei in der Praxis immer noch massiv bagatellisiert wird.
00:11:08: Selbst wenn den Gesetzgeber theoretisch Freiheitsstrophen vorgesehen, werden die einfach kaum ausgeschöpft.
00:11:15: Was sendet denn das für ein Signal?
00:11:17: Dass das Tierleid wenig zählt, dass es keine Rolle spielt, wie man mit Tieren umgeht oder ob man das Tierschutzgesetz respektiert.
00:11:24: Dass man höchstens ein Buss zahlt, im Wiederholungsfall vielleicht ein Geldstraf, aber wenn man das aufnimmt, kann man eigentlich tun und lassen, was man will.
00:11:34: Das entspricht sicher nicht im Sinn und Zweck vom Tierschutz oder Strafrecht, aber das ist das, was bei so einer Strafpraxis einfach hängen bleibt.
00:12:00: Gerade bei Reptilien frage ich mich.
00:12:02: Viele Menschen unterschätzen die Auffüllung, wie sensibel die Tiere sind.
00:12:08: Was bedeutet es konkret für Schlangen, Geckus oder Bartogamen, wenn Licht, Wärme und ... und Hygienefälle.
00:12:16: Reptilien sind wechselwarme Tiere, die zur Regulation ihrer Körpertemperatur auf externe Wärmequellen angewiesen sind.
00:12:23: Wird ihre Betriebstemperatur nicht erreicht, dann arbeitet der Stoffwechsel nicht richtig, was zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann.
00:12:33: Und sobald Unterkühlungen seit der Überwärmung sind, sind sie problematisch.
00:12:38: Zudem brauchen Reptilien auch Aufaustrahlung für die Knochenbildung, für die Haut insgesamt für ihre Vitalität.
00:12:45: In Gefangenschaften kaltene Reptilien sind ja regelmässig in einem Terrarium mit Kunstlicht gehalten und es fällt ihnen ein natürlicher UV-Licht.
00:12:54: Und das muss eben künstlich ersetzt werden.
00:12:57: Aber auch hier muss man genau wissen, was man macht.
00:13:00: Da kann man ganz viel falsch machen.
00:13:02: Es gibt verschiedene Bereiche im UV-Spiel.
00:13:05: und man muss einiges beachten.
00:13:08: Die Tierhaltung ist immer anspruchsvoll und das wird häufig völlig unterschätzt.
00:13:14: Ja, Reptile sind ja auch schwierig zu lesen.
00:13:16: Ihres Leid wird oft viel die Sput erkannt, oder?
00:13:20: Manchmal sogar mit tödlichen Folgen.
00:13:22: Ja, das ist wahr.
00:13:24: Das Erkennen von Leiden, Schmerzen oder auch Erkrankungen bei Terrarietieren ist viel schwieriger als bei den meisten Säugetieren, weil ihnen die Mimik fehlt.
00:13:33: Sie verfügen aber, dass weiss man wissenschaftlich über eine hochentwickelte Schmerzwarnnähmung.
00:13:40: Gleichzeitig haben sie nur reduzierte Möglichkeiten der Schmerzäusserung.
00:13:45: Das wird ihnen häufig zum Verhängnis.
00:13:48: Es erstaunt nicht, dass sowohl die Tierhaltende als auch Amtliche-Kontrollpersonen mit der Beurteilung des Wohlergeben von diesen Tieren häufig überfordert sind.
00:13:59: Bei Reptilien
00:13:59: sieht man den Schmerz nicht sofort.
00:14:01: Wie äussert sich das Leid?
00:14:03: bei diesen Tieren überhaupt?
00:14:05: Oft kann man das nur anhand von subtilen Anzeichen, wie z.B.
00:14:09: Farbe oder Hautveränderungen oder kleinen Verhaltensabweichungen, erkennen.
00:14:14: Das erfordert aber sehr gute Beobachtungsgabe.
00:14:17: Sättige Auffälligkeiten sollten umgehend zu einer tierärztlichen Untersuchung führen, und zwar bei einem Fachtierarzt, der auf Reptilien spezialisiert ist.
00:14:29: Warum wird das so häufig übersehen?
00:14:31: Weil die Haltung von dir viel mit Egoismus zu tun hat.
00:14:35: Häufig geht es da darum, dass wir etwas Wett haben.
00:14:39: Das trifft natürlich nicht auf alle Tierhaltenden zu.
00:14:42: Viele haben das Bedürfnis, ein gutes Zuhause zu geben.
00:14:46: Aber nach meiner Erfahrung ist es so, dass ein Großteil der Tierhaltung im Wunsch gründet, ein bestimmtes Tier zu haben will.
00:14:55: Aus dem muss entsteht eine gefährliche Situation für das betroffene Tier, weil es nur so lange von Interesse ist, wie es ... Aus ästhetischen oder geltungsbedürfnissen oder was auch immer der konkrete Grund ist von ihrem Halter, das Bedürfnis befriedigen
00:15:12: kann.
00:15:12: Bei Hunden oder Katzen erkennt man eine Vernachlassigung oder eine Mishandlung mehr oder weniger sofort.
00:15:18: Warum wird das gleiche Ausmass allein bei Reptilien oft nicht ernst genommen?
00:15:23: Man darf nicht vergessen, dass es sich um exotische, also nicht heimische Wildtiere handelt.
00:15:29: und ihnen ihre Bedürfnisse häufig auch noch gar nicht so richtig erforscht sind.
00:15:34: Also selbst Fachpersonen haben manchmal Mühe, ein Wohlergähen von diesen Tieren vollem Umfang zu beurteilen.
00:15:42: Das macht alles einfach noch etwas schwieriger und für die Reptilien natürlich schlimmer.
00:15:46: Was mich an diesem Fall besonders wütend macht, ist, dass kein Tier fliegt.
00:15:52: Sie waren abhängig.
00:15:54: Und genau diese Abhängigkeit wird vom Recht nicht konsequent genug berücksichtigt.
00:15:59: Ja, das sehe ich genau so.
00:16:01: Gerade bei Unterlassungsdelikt wird oft verkannt, wie schwer das Leiden ist.
00:16:07: Dabei ist die Verantwortung in diesem Abhängigkeitsverhältnis wirklich maximal.
00:16:11: Was müsste sich konkret ändern?
00:16:13: Erstens, eine konsequente Einordnung als Misshandlung, wenn Tiere leiden.
00:16:18: Zweitens, angemessene Strafen, die auch wirklich abschreckend wirken.
00:16:23: Und drittens, Sensibilisierung und Schulung bei Staatsanwaltschaften und Gerichte für die Realität von Tierleiden und für den richtigen Umgang mit dem Tierschutzrecht.
00:16:32: Aber wenn wir ehrlich sind, all das ist rechtlich schon heute möglich.
00:16:37: Das Gesetz gibt die Instrumente her.
00:16:41: Warum scheitert sie denn so oft nicht am Recht, sondern am Mensch, der das anwendet?
00:16:46: Ja, weil die tote Buchstabe nichts ist, das Recht kann seine Funktion nur erfüllen, wenn es ernst genommen wird.
00:16:53: Die gesetzlichen Grundlagen sind in Bezug auf den Schutz von Tieren alles andere als perfekt.
00:16:58: Die Irrquälerei hat den gleichen Strafrahmen wie wenn jemand unbefugtes Kontrollschild am Auto verwendet oder ein Velochlaut.
00:17:07: Wenn die bestimmenden Bestimmungen konsequent angewendet werden würden, würde das schon einen grossen Unterschied zur aktuellen Strafpraxis machen.
00:17:16: Aber warum weigert sich Staatsanwaltschaften und Gerichte bestehender Recht anzufenden?
00:17:22: Das
00:17:22: Tierschutzrecht wird in seiner Komplexität regelmässig unterschätzt.
00:17:27: Ich glaube, dass sich viele Menschen in der Strafverfolgung einfach nicht ausreichend damit auseinandersetzen und das Gefühl haben, wenn es um eine Partie geht, ist das keine grosse Sache.
00:17:37: Aber die Menschstierbeziehung unserer Gesellschaft ist ein hochkomplexes Konstrukt.
00:17:42: Und das Spannungsfeld, in dem wir zwischen dieser vielfältigen Nutzung von Tieren und der Anerkennung ihrer Wörter bewegt, schlägt sich auch im Recht nieder und macht die Anwendung der Tierschutzbestimmungen zu einem eigenen Fachgebiet.
00:17:58: Und für das braucht es ein gewisses Know-how.
00:18:00: Das ist aus meiner Sicht der erste Grund für die schlechte Umsetzung des strafrechtlichen Tierschutzes.
00:18:06: Und was ist der zweite Grund?
00:18:07: Sicher spielt auch die permanent starke Auslastung der Staatsanwaltschaften und gerichtengewichtige Rolle.
00:18:13: Weil die Tiere nicht für sich sprechen und intervenieren können, ist natürlich auch niemand hier, der im Nacken sitzt, sozusagen.
00:18:22: Hier wählt man schnell den geringsten Weg und greift zum einfachen Strafbefehl und zur tiefen Sanktion.
00:18:30: Das ist zwar effizient, aber es wird dem Leiden der Tiere nicht gerecht.
00:18:34: Strafbefeil.
00:18:36: Das heisst, es wird kein Anklag vor Gericht erhoben.
00:18:39: Richtig, im Strafbefeilsverfahren kann die Staatsanwaltschaft bei einem klaren Sachverhalt in leichten Fällen, also in Fällen von leichterer Delinquents, Bussen, Geldstrafen oder Freiheitsstrafen, von bis zu sechs Monaten aussprechen.
00:18:55: Und da sieht man auch schon, wie Tierquälerei der Staatsanwaltschaft meistens qualifiziert wird, nämlich eben als leichtere Delinquenz.
00:19:04: Anklage vor Gericht bilden dann natürlich die absolute Ausnahme.
00:19:08: Wie ist das im Vergleich mit anderen Rechtsbereich?
00:19:11: Es ist tatsächlich so, dass die allermeisten Strophen fahren, ganz generell über neunzig Prozent mit einem Strophenbefehl endet.
00:19:19: Aber man darf nicht vergessen, dass es sich dabei in allen Regeln nicht um Gewalte liegt handelt.
00:19:24: Hier ist alles dabei, die ganze Palette vom Diebstahl, Kaugummi bis zu der Brandstiftung.
00:19:31: Tötung, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung oder eben auch Brandstiftung und solche Sachen gelten natürlich zurecht als schwerwiegende Daten, die vor Gerichte gehören.
00:19:42: Und dort gehört die eigentlich eben auch Tierquälerei hin.
00:19:46: Es ist unhaltbar, dass das Gewalt gegen die Tiere auf der gleichen oder sogar noch auf einer tieferen Stufe steht, wie der liegt gegen das Vermögen oder gegen leblose Sachen.
00:19:55: Wir laufen dann so ein Strafbefehlensverfahren ab.
00:19:58: Die Staatsanwaltschaft macht einen Urteilsvorschlag und eröffnet den beschuldigten Personen und allen, die ein Einspruch im Recht haben.
00:20:06: Sie können, wenn sie den Entscheid nicht akzeptiert, intervenieren.
00:20:10: Die Staatsanwaltschaft kann dann entweder darüber neu befinden oder an ihrem Strafbefehl festhalten und dann gelangt das ganze Vergericht.
00:20:18: Und wer kann im Namen der betroffenen Tiereinsprache haben?
00:20:22: Das
00:20:22: ist es ja genau.
00:20:23: In allen Regeln niemand.
00:20:25: Tiere selber können es nicht.
00:20:26: Die Tierschutzorganisationen sind dazu nicht berechtigt.
00:20:29: Darauf sind wir schon in der Folge vier eingegangen.
00:20:33: In ein paar wenigen Kantonen sind Veterinarbehörden im Strophenfahren mit Parteirecht ausgestattet und können das damit machen.
00:20:41: Aber auch sie sind keine richtige Rechtsvertreter für die Tiere.
00:20:46: Aber warum nicht?
00:20:47: Das ist doch Ihre Aufgabe.
00:20:48: Die Veterinärbehörde ist ein Verwaltungsbehörde und hat selbst ein Rollen im Parallelaufenden Verwaltungsverfahren.
00:20:56: Oftmals werden die Autäter nicht nur strafrechtlich bestraft, sondern es müssen auch noch Massnahmen verfügen werden.
00:21:02: Zum Beispiel müssen die Tiere im vorliegenden Fall, die beschlagnahmten und anderweitig unterbracht werden, oder auch die kranken Ratten, die eingeschlafen wurden, um sie von ihrem Leiden zu erlösen.
00:21:15: Auch das ist eine verwaltungsrechtliche Massnahme, die durch die Behörden angeordnet wurde.
00:21:21: In ihrer Funktion als Verwaltungsbehörde ist sie eben nicht nur im Tierschutz verpflichtet, sondern sie muss auch den Tierhalter anlassen, sie muss auf Verhältnismässigkeit achten, sie muss Verfahrensrecht einhalten.
00:21:33: Sie hat auch noch andere Aufgaben als den Tierschutz.
00:21:36: Und bei diesen Behörden hangt es dann häufig auch.
00:21:40: davon ab, wie schlimm man die Sachen bearbeitende oder auch die vorgesetzte Person den Fall beurteilt.
00:21:46: Also was?
00:21:47: Das hängt von der einzelnen Person ab?
00:21:50: Das ist doch quasi die Tierschutzbehörde.
00:21:53: Die muss doch für die Tiere einstehen.
00:21:56: Wäre nicht die Behörden, die genau für das hier sind?
00:22:00: Die persönliche Wertehaltung spielt eigentlich bei allen im Vollzug involvierten Personen eine Rolle, weil Behörden natürlich häufig über einen grossen Ermessensspielraum verfügen.
00:22:10: In den jährlichen Analysen von Tieren im Recht sieht man, dass es nicht nur zwischen den Kantonen, sondern auch zwischen einzelnen beurteilenden Behörden und eben auch in den Sachverhaltsfeststellungen grosse ... Unterschied gibt.
00:22:24: Und häufig werden gerade für die Sachverhaltsfeststellung Veterinärbehörden mit einbezogen, weil sie natürlich Veterinärmedizinisch ausbildend Personal haben und für das qualifiziert sind.
00:22:37: Und da kommen wir auch wieder zum Punkt, warum die Veterinärbehörden aus meiner Sicht aber nur bedingt, als Verteidigerin vom Tier im Strafverfahren geeignet ist.
00:22:46: Sie hat ihre eigene Vokuss und ihre eigene Rolle, die im Strafverfahren relevant ist.
00:22:57: Wenn die
00:23:03: Staatsanwaltschaften und Gerichte Tier weiterhin als Randthema behandeln.
00:23:09: Ist das denn nicht ein Vollzugsversagen?
00:23:12: Ja, das ist ganz eindeutig ein grosser Vollzugsmangel.
00:23:16: Das Tierschutzgesetz ist hier und schützt das Tier nur in seinen wirklich grundlegenden Bedürfnissen.
00:23:24: Tierhalterbestimmungen sind mindestens da vor Ort.
00:23:27: Es geht also nicht um eine optimale Tierhaltung.
00:23:30: Wenn nicht einmal das Minimum eingehalten wird, dann ist das für die betroffenen Tiere und der Umständ existenziell.
00:23:38: Wenn die klaren Strafnormen nicht zum Zug kommen, ist das nur ein Trauerspiel.
00:23:45: Anders gefragt.
00:23:46: Wer dreht Verantwortung, wenn die Tiere leider systematisch unterschätzt werden?
00:23:51: Die Staatsanwaltschaften tragen Verantwortung für die korrekte rechtliche Einordnung und für die Strafmasse.
00:23:58: Die Gerichte tragen Verantwortung dafür, welches Signal ihre Urteil aussendet.
00:24:05: Und auch die Aufsichtsbehörden tragen Verantwortung, wenn sie diese Praxis doldert und nicht hinterfragt.
00:24:12: Und natürlich hätte auch die Politik hier eine Aufgabe.
00:24:15: Die Erleid wird nicht zufällig bagatellisiert.
00:24:18: Es wird toleriert.
00:24:20: Und zwar durch Entscheidungen, die jedes Mal sagen, das ist nicht so schlimm.
00:24:24: Hier lenkt eine milde Sanktion, das ist kein Drama.
00:24:28: Am Ende verteilt sich die Verantwortung auf ganz viele verschiedene Schulter.
00:24:32: Und genau das macht es eben so schwierig.
00:24:35: Wenn eben alle eine so ein bisschen Verantwortung übernehmen, dann fühlt sich meistens niemand wirklich zuständig.
00:24:42: Und die Leidtragenden sind am Schluss einfach immer die Tiere.
00:24:45: Du hast vorher von Sensibilisierung gesprochen.
00:24:48: Aber muss man wirklich sensibilisiert werden, um zu erkennen, dass ein Tier, das in Exkremanten lebt, krank ist und leidet?
00:24:56: Oder fällt es hier einfach schlicht an der Bereitschaft heran zu schauen?
00:25:00: In diesem Fall, wie hier sicher nicht.
00:25:02: Man braucht keine Spezialausbildung, um zu erkennen, dass ein Tier leidet, wenn es in Exkrement lebt oder krank ist oder unbehandelte Wunden hat.
00:25:14: Das ist kein Grenzfall, das ist offensichtlich.
00:25:17: Sensibilisierung spricht klart Bereitschaft an, Missstände bei den Tieren nicht mehr heizen und als gravierende Straftaten zu sehen.
00:25:27: Das hat stark mit Empathie zu tun.
00:25:30: Da muss man sich in ein anderes Lebewesen fühlen können.
00:25:35: Es geht also um hinschauen, um mitfühlen und verantwortung übernehmen.
00:25:40: Aber auch um Bereitschaft, einen gewissen Aufwand zu betreiben und klare Entscheidungen zu fällen.
00:25:45: Tierleid ist unangenehm.
00:25:47: Es zwingt einem dazu, sich mit Überforderung, Behördenversagen und unbequemen Fragen auseinanderzusetzen.
00:25:54: Wegschauen ist hier einfacher.
00:25:56: Juristisch wie auch menschlich.
00:25:58: Darum bin ich der Meinung, das Problem ist selten und Wissen.
00:26:01: Das Problem ist Oberflächlichkeit, manchmal Bequemlichkeit oder auch Gleichgültigkeit.
00:26:07: Sensibilisierung braucht es darum in verschiedener Hesicht.
00:26:12: Zum einen in Bezug auf die Wahrnehmung von Tieren, zum anderen hinsichtlichem Umstand, dass das Gesetz Bestrafung von Tierquälerei unmissverständlich vorschreibt.
00:26:24: Da gibt es kein Spielraum.
00:26:26: der Lippenbekenntnis als empfindsame Lebewesen anerkannt werden.
00:26:32: Sie müssen vielmehr ernsthaft und mit aller Konsequenz als fühlende Individuen wahrgenommen werden.
00:26:39: Und ja, da braucht es klare Erwartungen, klare Zuständungen und politische Willen, Tierleid nicht länger als Randthema zu behandeln.
00:26:50: Die Tiere hatten keinen Stimm, keinen Ausweg, keinen Ort, an dem sie einen Flüchten hätten können.
00:26:58: Sie haben nur Menschen.
00:26:59: Wo hätte der Handel müssen und es nicht hier haben?
00:27:05: Wenn ihr die Tierleite sieht, schaut bitte nicht weg.
00:27:08: Meldet es.
00:27:09: Bleibe dran.
00:27:11: Weil jedes Unterlassen tödlich ist.
00:27:14: Das war Tiercrime mit Van Damme, ein Fall aus dem Berner Juraseeland, der zeigt, Tierquälerei passiert nicht nur durch Gewalt, sondern oft auch durch Gleichgültigkeit.
00:27:25: Wenn ihr den Fall berührt habt, Teile bitte die Folge, redet drüber, sensibilisiere durch ein Umfeld.
00:27:32: Nur so schaffen wir ein Bewusstsein und vielleicht irgendwann auch strengere Urteile.
00:27:38: Und wenn wir eigene Fragen haben, die euch beschäftigen, dann dient uns diese mitteilen.
00:27:43: Wir sind bemüht, die Fragen in einer unserer Folgen zu beantworten können.
00:27:48: Danke, dass ihr dabei war bei TierCrime mit Wandaam.
00:27:52: Ich bin Dami.
00:27:53: Und ich bin Wani.
00:27:54: Ich hoffe, ihr seid auch nächstes Mal wieder dabei, wenn es ums Thema Jagd geht.
00:27:59: Der Fall, den wir heute diskutiert haben, stammt übrigens auch aus der Falldatabank von Tier im Recht.
00:28:04: Mehr Informationen findet ihr auf tierimrecht.org.
00:28:08: In dem wir Tiercrime abonniert und auch bewertet, können ihr mithelfen, die Geschichten dieser Opfer von Gewalttaten als Licht zu bringen, über die sonst niemand redet.
00:28:20: Weil Tierleid von hier, wo niemand Verantwortung übernimmt, bleibt aufmerksam und bleibt bitte die Stimme für Tiere, die selber keine haben.
Neuer Kommentar